PSYT022 Daheim auf der Couch

Nach der letzten Folge in der Ferne ging es diesmal vor allem um die Heimat. Drei Stunden lang drehten sich die Gedanken der drei Psychologen um den Gemeinsinn, um das Gefühl, “zu Hause” zu sein, um Patriotismus und Nationalismus.

Den Einstieg machte eine Hörerfrage, warum einem der Hinweg oft länger vorkommt als der Rückweg – der return trip effect, wozu Sven sogar eine aktuelle Studie zitieren konnte. Nebenbei wurde die aktuelle wissenschaftliche Publikationspraxis ebenso kritisiert wie die Promotionspraxis bei Medizinern, während die Zeitschrift “Psychologie Heute” für ihren ausgezeichneten Podcast-Geschmack gelobt wurde.

11749572_903411796386352_807752882_n

Zu Gast: Jens Eichert

Für das eigentliche Thema der Sendung war Jens Eichert zu Gast, ein Maler (und Lackierer!) aus Bad Segeberg, der mit der Initiative “Bad Segeberg – LEBT” seine Heimatstadt schöner zu machen versucht. Besprochen wurde das Verhältnis von Bürgerinitiativen zu Lokalpolitik ebenso wie die Wirkung sozialer Medien auf die Selbstwirksamkeit und das Phänomen des slacktivism.

In der zweiten Stunde ging es um die Elemente des Gemeinsinns (sense of community), die Definitionen von “zu Hause” und “Heimat” – einem sehr deutschen Phänomen -, um die unterschiedliche Mobilität von Menschen und den Stolz und die Scham dem eigenen Vaterland gegenüber. Etwas weiter gefasst diskutierten die vier die anzustrebende Balance zwischen Selbstvertrauen und Offenheit, die Intoleranz gegenüber Intoleranz und die praktische Relevanz von Jugendarbeit.

Den Auftakt zur letzten Stunde machte wieder eine Hörerfrage: Kann ein kleiner Zwischenfall ein Trauma der eigenen Privatsphäre bewirken? Davon ausgehend ging es um Risikowahrnehmung und die Bedeutung der Medien im Ausländerhass, die allgemeine Angst von Menschen vor Veränderung und Verlust, und schließlich – ein ganz klein wenig – um das Feld der Gemeindepsychologie.


PSYT015 Mandat zur Veränderung

Diesmal waren die drei Psychologen wieder unter sich. Ganz ohne Gast und offizielles Mandat wurde knapp drei Stunden lang zu den Themen Autismus und Veränderung diskutiert. Der Stream hielt trotz höherer Audioqualität – es läuft!

Anlässlich des Welttages des Autismus am 2. April haben wir ausführlich über diese tiefgreifende, angeborene Entwicklungsstörung gesprochen: Was ist frühklindlicher (Kanner-)Autismus, was ist Asperger-Syndrom, und warum macht es Sinn, diese Diagnosen als Teil eines Spektrums zu begreifen – wie es auch in den aktuellen Fassungen der diagnostischen Manuale geschieht? Was hat das ganze mit Intelligenz zu tun? Sind viele Autisten wirklich auch inselbegabt, so wie in den Filmen “Rain Man” oder “Das Mercury-Puzzle”? Inwieweit ist Asperger-Syndrom eine Modediagnose? Was sind die aktuellen Erkenntnisse zum Hintergrund der Störung und was sind Hilfsmöglichkeiten? In diesem Zusammenhang müssen wir (leider) auch auf die Mythen des Zusammenhangs zwischen Impfungen und Autismus eingehen (Stichwort Wakefield-Skandal) sowie sinnlose und gefährliche “Therapieansätze” wie die “Festhaltetherapie” und “Miracle Mineral Solution (MMS)”.

Im zweiten Teil ging es um das Thema Veränderung. Warum jede Veränderung erst einmal Stress verursacht, und wir uns gegen sie wehren, wie wiederholte Veränderungen irgendwann zur Gewohnheit werden, und was das mit unserer Kontrollwahrnehmung zu tun hat. Gleichzeitig suchen wir Veränderung und Abwechslung, weil wir Monotonie ebensowenig aushalten können. Sven berichtete von der Bedeutung der Kommunikation in Veränderungsprozessen in Unternehmen, und wir haben die Themen Führung, Vertrauen und Teamgröße gestreift. Sebastian teilte seine Erfahrungen als junger Vater, und die Veränderung seiner Selbstwahrnehmung. Alexander sprach von seinem bewussten Arbeitsplatz- und Wohnortwechsel. Auch auf die Veränderungen des Psychologie-Studiums im Rahmen des Bologna-Prozesses sind wir eingegangen, wie die Grundlagen der Psychologie “in unserer Zeit” aufgeteilt wurden, und welchen Stellenwert dabei die Entwicklungspsychologie einnahm. Schließlich kamen William James und Richard Wiseman zum Wort, wie man mit dem “Als-ob-Prinzip” persönliche Veränderungen verankern kann. Da gibt sich dann jeder selbst das Mandat.