PSYT017 Leichenbesitzanspruch

Nach dem Ableben von NSWF betätigten wir uns dieses Mal als universelle Leichenfledderer in angemessener Schöpfungshöhe: Erst bekamen kontroverse psychologische Studien ihr Fett weg, dann streiften wir auf den Wanderwegen der Wanderhure  eigentumsrechtliche und -psychologische Fragen zu gefälschten Bildern, Sebastians Lurch- und Treppenmonopol, ägyptischen Mumien und blanker Eifersucht.

Zum Einstieg ging es anlässlich der umstrittenen Facebook-Studie, bei der angeblich die emotionalen Zustände Hunderttausender Nutzer manipuliert wurden, um Wissenschaftsethik. Warum hat sich wer bei der ominösen Studie unethisch verhalten oder gegen Regeln des Wissenschaftsbetriebs verstoßen? Und waren die Ergebnisse das wert? Welche Regeln gelten in der psychologischen Forschung, wie stehen unsere drei Psychologen dazu, und wie schneiden klassische psychologische Studien aus heutiger Sicht ab? Natürlich werden hierzu erwähnt der “Kleine Albert”, den John Watson mit Angst konditionierte, das Milgram-Experiment zu Gehorsam und das Stanford-Prison-Experiment von Philip Zimbardo. Gestreift werden auch die relative Ethik von Wissenschaft vs. Technologie, Tierversuche und Presse-Ethik im Zusammenhang mit investigativem Journalismus.

Zu Gast: Jurist Ralf Neugebauer

Zu Gast: Jurist Ralf Neugebauer

Im zweiten Teil ging es um das Thema Eigentum. Hierzu hatten wir den Juristen und Richter am OLG Düsseldorf Ralf Neugebauer zu Gast, dessen täglich Brot Fragen um geistiges Eigentum sind. Was unterscheidet Besitz von Eigentum? Sind meine Tweets mein geistiges Eigentum? Ist ein Sklavenvertrag rechtlich bindend? Wie umfassend sind die Rechte von Künstlern, Star-Architekten und -Photographen an ihren Werken? Warum darf Sebastian gar nichts – weder seine Treppe so bauen, wie er will, noch die die hundertjährige Eiche in seinem Garten fällen, noch mit seiner Frau den “Haxilla-Podcast” produzieren? Aber zum Trost darf er sich aber falsche Hilfiger-T-Shirts aus dem Urlaub mitbringen – nur nicht zu viele. Wir entdeckten, warum Ralf kein Verfassungsrichter ist, aber Eigentum verpflichtet. Wem Tiere gehören und wem Leichen – je nachdem, wie alt sie sind. Abschließend streiften wir kulturelle Unterschiede im Verständnis von Eigentum, u.a. bei den Inuit.

In der letzten Stunde wurde es zum Eigentum dann wieder richtig psychologisch: Seit wann gibt es so etwas wie Eigentum und warum wohl? Unsere drei Psychologen diskutierten, wie sie zu Eifersucht und Polyamorie stehen. Warum mehr Geld nicht immer glücklicher macht (siehe Easterlin-Paradox). Warum mehr Auswahl nicht glücklicher macht (siehe Barry Schwartz). Wie wir Zufriedenheit synthetisieren, zum Beispiel wenn wir Monet-Drucke geschenkt bekommen (siehe Dan Gilbert). Und wie intuitiv Affen das Konzept von Geld verstehen. Wer mehr zum Thema lesen möchte, dem seien die Bücher von Dan Ariely und Sheena Iyengar empfohlen.

Im abschließenden Werbeblock wurden erwähnt: Sebastians neuer politischer Videocast “Die Krabitzen”, Svens Dauerbrenner Viva Britannia (als Podcast und Buch), die Website zum kommenden Neuschwabenland-Buch, und die nächste Lesung am 3. September in Hamburg in den Studios, in denen Hoaxilla TV gedreht wird.


Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Zum Thema Türkei und Medikamente, möchte ich hiermit eine Warnung ausrufen, denn ich hab beim Hören der ganzen Vermutungen alle möglichen Zustände durchlitten.
    Medikamente werden bestenfalls nur in Tourigebieten im Mehrfachpack verkauft. Normale Apotheken machen das nicht, warum auch? Kein Einheimischer braucht 5 Packungen Aspirin. Die Apotheken interessierts einen Sch* wieviel der Touri gegenüber am Tresen in sein jeweiliges Land einführen darf. Die hier eh schon billigen Medikamente werden gerne in Tourigebieten teurer verkauft, obwohl das strikt verboten ist. Generell rate ich davon ab in Tourigebieten bestimmte in Deutschland rezeptpflichtige Medis zu kaufen, da es hier viele Fälschungen gibt, die der Laie nicht erkennen kann.
    Hier die Ansage des Zolls:

    “Bei der Einreise oder Wiedereinreise nach Deutschland dürfen Arzneimittel in einer dem üblichen persönlichen Bedarf des Reisenden entsprechenden Menge eingebracht werden. Als üblicher persönlicher Bedarf ist dabei ein Bedarf von maximal drei Monaten je Arzneimittel, unter Berücksichtigung der Dosierungsempfehlungen, anzusehen. Hierbei kommt es nicht darauf an, ob die Arzneimittel bereits aus Deutschland mitgenommen wurden und hierher zurück verbracht werden oder ob sie im Ausland erworben wurden. ”
    Quelle: http://www.zoll.de/DE/Privatpersonen/Reisen/Rueckkehr-aus-einem-Nicht-EU-Staat/Einschraenkungen/Arznei-Betaeubungsmittel/arznei-betaeubungsmittel_node.html

    Also Augen auf beim Medikauf liebe Psychologen 😉

    Wenns noch Fragen gibt, gerne her damit.

    Danke für die Sendung und sonnige Grüße aus Antalya

    Helena

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  2. Sehr interessant (Ethik) – und ganz anders, als ich es als gelernter Mechaniker & Mathematiker erwartet oder erhofft hatte. Die Verantwortung für das eigene Handeln (Machen & Tun) beschäftigt mich seit meiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker (1983-86). Ich habe gelernt, dass Verbrennungsmotoren stinken (aber den Benzingeruch geliebt). Die ASU – Abgassonderuntersuchung wurde eingeführt, und erste Katalysatoren. Es war mir nicht vorstellbar, dass es 20 Jahren später, noch Autos dieser Machart (Verbrennungsmotor) gibt.

    Mit Anfang meines Studiums an, habe ich mich mit der Verantwortung / Reflektion von Chemiker-/Physiker’innen über ihr Mitwirken an der Entwicklung der Atombombe beschäftigt. Den mir wichtigsten Beitrag dazu, habe ich erst in diesem Jahr entdeckt [DOKU] “Lise Meitner – Die Mutter der Atombombe” https://www.youtube.com/watch?v=vpanlOMA8Zk

    Der kleinste Ansatz von “Benutzerverwaltung” bereitet mir ein ungutes Gefühl. Aber “Schindlers Liste” hat doch Leben gerettet! Mit einem Messer lassen sich Apfel & Brot schneiden – aber auch Menschen töten. Und just in 2014 empört, enttäuscht & schockiert mich das Ausmaß an Tätigkeit von Mathematiker*innen für Geheimdienste .. fachlich & menschlich.

    Die “Verantwortung für mein Handeln” ist mir ständiger Begleiter. Psychologisch relevant! Ich fühle mich dem gegenüber überfeinfühlig, hilflos ausgeliefert, resignierend – bis hin zur Arbeitsunfähigkeit (mein Verhalten ändert die schrecklichen Verhältnisse nicht, im Gegenteil! Je mehr ich mich verhalte – desto schlimmer wird die Situation für mich und andere). Doch bevor ich mich auf die Selbstheilungskräfte der Natur zurück ziehe und auf die Eigenschaft von Chaos, Strukturen aus zu bilden verlasse, sehe ich noch eine technische Möglichkeit: Systeme in Organisation & Struktur, Systemfunktion für Systemfunktion parallel auslegen (FallBack) und als Hauptsystemfunktion etablieren…

    Die Behandlung des Themas “Eigentum” erschien mir sehr “bürgerlich”. Ich glaube, dass der Einwurf “Allmende” nicht einfach mit Verweis auf die “Tragik der Allmende” abgetan werden kann, sondern das Wissen darum https://de.wikipedia.org/wiki/Tragik_der_Allmende als Grundlage weiterer Diskussion dienen sollte.

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  3. Interessante Folge, danke dafür! Allerdings möchte ich zum Thema Ethik und Peter Singer anmerken, dass ihr m.E. ziemlich leichtfertig in der Beurteilung dieser Person gewesen seid. Singers Thesen besagen weitaus mehr als die Notwendigkeit, dem Leben von einigen Tierarten einen höheren Stellenwert und Schutz zukommen zu lassen. Hier empfiehlt es sich, auch mal die “hinteren Kapitel” seiner Werke und Theorie durchzugehen. Singer bestreitet, dass allein die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies, hier insbesondere die des Menschen, ein Grundrecht auf Leben legitimiert. Infolgedessen spricht er Menschen, die nicht über bestimmte Intellektuelle Fähigkeiten bzw. vorhandene Parameter in der Wahrnehmung verfügen, den Status der “Person” ab. Für Menschen mit schwersten Behinderungen sieht er keine Begründung für ein Recht auf Leben. Das ist der Grund, warum er völlig zurecht schon in den neunziger Jahren aus deutschen Hörsälen verbannt wurde. Ich würde mir wünschen, dass Singer gerade in der humanistischen Szene mit entsprechender Skepsis behandelt wird und nicht immer nur seine Tierschutz-Thesen vorangestellt werden. Man kann den Schutz von Tieren fordern und gut begründen, auch ohne im übernächsten Atemzug das Lebensrecht von Menschen in Frage zu stellen!
    Viele Grüße! Manuel

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  4. Leider ist es traurig das Naivität bei wissenschaftlichen Studien vorherrscht..es werden eine sehr grosse Anzahl von Studien vom Militär in Auftrag gegeben.Mal mehr mal weniger offen und die Unis reden über diese Finanzierung nicht gerne…
    Und was die Facebook-Studie angeht,es nicht im Interesse zu sehr erfolgreich zuwirken ausser wenn es darum geht zahlende Kundschaft zu beeindrucken!
    Und beim Milgram-EXP. ging es für die Probanden darum die Lernfähigkeit des “Schülers” zuerhöhen.
    Und ein anderes Experiment ging um das Quälen einer Katze beteiligt waren 50 Studenten die Hälfte weiblich,wobei diese besonders “gerne die Katze mit Stromstössen traktierten-die Studentinnen hatten im Hinterkopf das sich ihre Unikarriere verbesserte-60er Jahre halt!
    Nicht zuver gessen die pharmazeutischen Versuche an politischen Gefangenen(kontrollierte Gruppe!) auf Haiti durch Papa/Baby Doc,gab halt Devisen dafür.
    Von der bestimmten Vorgängen in der DDR ganz zuschweigen-gab halt Devisen…
    Und die Verwertung der Experimente der Japaner in der Mandschurei-die Studien wurden von den Ameriker genutzt

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